Game over!
75 Mark hat die Karte für das Nirvana Konzert in München damals auf dem Schwarzmarkt gekostet. Aber das war es mir wert, auch wenn zwischen Abi und Studium das Geld knapp war. Nirvana Fan bin ich bis zum heutigen Tag, doch erst vor kurzer Zeit habe ich mir das Phänomen Kurt Kobain, sozusagen aus dem Blickwinkel der Musikwissenschaftlerin heraus, angesehen - und war überrascht. In einem Interview erzählt er von seiner fehlenden Virtuosität und Unwissenheit über Harmonielehre. Auch die Instrumente sollten nicht vom Feinsten sein. Klarer Befund also: ein Fall von Genialität, von Inspiration.
Das Thema der Hymne, das Kurt Cobain verfolgte, interessiert mich schon lange, ganz gleich ob das jetzt in „Kids“ von Robbie Williams und Kylie Minogue verkocht wird oder im Gitarrenmeer von „In Bloom“ von Nirvana schwimmt. Und überhaupt finde ich Gesang, der schon fast im Gitarrenmeer versinkt genial!
Das war der Startpunkt für mein Soundexperiment „Game over!“. Ich wollte etwas Neues versuchen. Stimme sollte nun kaum noch als solche erkennbar sein und direkt in Gitarrensound übergehen. Dazu habe ich den Tonabnehmer meiner Lyra an meinen Kehlkopf gelegt und das ganze durch sämtliche Gitarreneffektgeräte inclusive Verstärker gejagt. Die Sologitarre ist also „gesungen“. Die extatisch-schräge Hymne zerfällt am Ende und lässt den Zuhörer etwas irritiert allein: Game over!
Das Bild dazu habe ich dieses Mal selbst gemalt. Auch hier ist Irritation Programm. Sound, der in ein Kästchen eingespeert ist und die rote Linie, die am Ende zerfällt und den Betrachter im Grünen allein lässt. Ja, man darf fragen, was das sein soll! Und sich auch selbst darüber Gedanken machen, wie sich diese Geschichte vielleicht mit eigenen Erlebnissen überschneidet.
Mir macht die Arbeit mit Sound, Klang-Farbe, unkonventionellen Ideen und Irritationen einfach wahnsinnig Spaß und ich freue mich sehr, wenn das zu hören und zu sehen ist.