Portrait Marion Altmann

Marion Altmann


Musik und Kunst waren für mich sehr früh wichtige Elemente in meinem Leben. Kunst bedeutete für mich in der Grundschule dem Mathematikunterricht zu entkommen, weil ich in der Zeit die Burgen und Schlösser der Oberpfalz für meine Klassenkameraden abzeichnen durfte. Aber auch, dass mein expressionistisches Bild eines durch die Teerdecke brechenden Löwenzahns vom Lehrer nicht zum Malwettbewerb zugelassen wurde. Musik war meine Zuflucht, wenn ich nach der Schule Bachs Fugen auf der Orgel übte und damit dem ganzen Durcheinander des Lebens entkam.

Später spielte ich in einer Band und lernte, dass laut und schräg nicht schlecht sein muss, sondern seinen ganz besonderen Reiz verströmt.

Kurz vor dem Abitur sah ich ein,  dass sich kurz und bündig auszudrücken wichtig ist, wenn man in der Deutsch Schulaufgabe 15 Punkte will und überhaupt Ausdruck das ist, was Menschen bewegt. Bilder oder Texte, Musikstücke ohne Ausdruck, das macht keinen Sinn. Der Ausdruck eines Stückes ist es, der die Menschen erhebt, ganz gleich ob es einfach oder kompliziert arrangiert ist. Auch ein Bild entfaltet seine Schönheit praktisch erst im Betrachter,  indem er es auf einer emotionalen Ebene versteht und inkorporiert.

Germanistik, Musikwissenschaft und Philosophie wollte ich deshalb studieren. Ich wollte lernen mich auszudrücken, verstehen, wie Ausdruck entsteht und sehen, was Menschen wirklich innerlich bewegt. Gibt es Gott oder gibt es ihn nicht? Die Philosophie zeigt, dass der Versuch einer Beweisführung sinnlos ist. Wichtig ist das, was du fühlst...

Die Geburt meiner Tochter brachte neuen Schwung in mein Leben und viel unterwegs sein in der Natur. Im Wald war mein Kind glücklich, Käfer sammeln und Schnecken züchten. EmotionaleTiefe kam in mein Leben. Bewusstsein, wie kostbar Leben ist und wie kostbar ein Moment mit einem kleinen Menschen ist. Jetzt ist sie 25 Jahre alt und studiert Soziologie und Informatik in Hamburg. Käfer sind es jetzt nicht mehr, aber ein ausgeprägtes Gefühl für die Natur.

Mein Mann Wolfram hat mich zurück zur Kunst gebracht.  Als er Musik für die Videos seiner kinetischen Skulpturen brauchte, meinte er "Du kannst das doch!".  Und als ich zum ersten Mal mit ihm auf einer Kunstausstellung war, fühlte ich mich inspiriert und habe wieder angefangen zu malen. Ausdruck sollte das entscheidende Element meines Kunstschaffenes sein, ganz gleich ob es sich um Musik oder bildende Kunst handelt. Abstrakt wollte ich malen, um nicht durch Gegenständliches vom Eigentlichen abzulenken. Musik sollte  gleichermaßen abstrakt sein, indem man ihr den Text vorenthält.

Ich möchte Menschen erreichen, sie einladen zu fühlen und wahrzunehmen. Sie können sich fragen, ob mein Ausdruck ihrer Wahrnehmung  gleich kommt, oder ob es bei ihnen ein ganz anderer ist. Sie können nachforschen, wie es mit diesem Thema bei ihnen selbst bestellt ist, ob sie vielleicht gerade jetzt etwas "Aufbruch" brauchen oder ob sie sich im "Verborgenen" wohler fühlen.

Ich fühle, dass mein Weg weitergeht und ich bin gespannt wohin...